Exklusives t3n Interview mit Sidharth Yadav

Führung, Kultur und Innovation in der IT: Exklusives t3n Interview mit Sidharth Yadav
Im exklusiven Interview mit t3n spricht der neue Group CEO der Volkswagen Group IT Solutions, Sidharth Yadav, über unterschiedliche Arbeitskulturen, die Vision und Säulen der Gruppe und welche Learnings aus dem Ausdauersport ihm dabei helfen.
t3n: Herr Yadav, Sie sind definitiv kein unbekanntes Gesicht im VWGIS-Kosmos.
S. Yadav: „Das stimmt – meine Karriere bei Volkswagen begann 2008 in Pune, Indien, wo ich als CIO für die IT-Infrastruktur eines neuen Produktionswerks verantwortlich war. Das beinhaltete auch den Aufbau von Rechenzentren – damals war Cloud Computing noch nicht so verbreitet.
In dieser Zeit begannen wir, mit unseren deutschen Kolleg:innen zusammenzuarbeiten. Zunächst setzten wir vor allem auf indische IT-Ressourcen zur Deckung lokaler Bedürfnisse. Als sich dieser Ansatz als erfolgreich erwies, erweiterten wir unsere Zusammenarbeit, sodass auch Deutschland integriert wurde.
Später zog ich nach Deutschland, um als CIO für Europa tätig zu sein – in enger Kooperation mit Kolleg:innen aus dem Vereinigten Königreich, damals auch aus Russland und innerhalb Deutschlands. Nachdem ich 2014 nach Indien zurückkehrte, übernahm ich die Verantwortung als CIO für die Asien-Pazifik-Region, die Japan, Korea, Australien, Taiwan und den Nahen Osten umfasste. Diese Stationen ermöglichten mir tiefe Einblicke in die unterschiedlichen Unternehmenskulturen und Arbeitsweisen.
t3n: Auf dem Weg zu einer gemeinsamen GIS Group gibt es viele Chancen und Herausforderungen. Welche Erkenntnisse haben Sie durch die Führung über verschiedene Kulturen hinweg gewonnen?
S. Yadav: „Die größte Erkenntnis ist: Es gibt kein „richtig“ oder „falsch“ – es gibt unterschiedliche Arbeitsweisen. Entscheidend ist, diese Unterschiede zu verstehen. Deutsche Fachkräfte sind oft strukturierter und direkter, während indische Teams tendenziell zurückhaltender agieren. Wenn ein:e deutsche:r Manager:in beispielsweise zu durchsetzungsstark auftritt, zieht sich ein indischer Kollege eventuell eher zurück, statt aktiv mitzuwirken. Sobald man diese Nuancen kennt, gestaltet sich die Zusammenarbeit wesentlich reibungsloser.“
t3n: Wie integrieren Sie diese interkulturellen Erkenntnisse in Ihren Führungsstil?
S. Yadav: Die GIS Group besteht aus drei Einheiten – GIS Germany, Digital Solutions Portugal und ITS India – mit insgesamt rund 5.100 Mitarbeitenden. Unser Ziel ist es, eine einheitliche Kultur zu schaffen, die nationale Unterschiede anerkennt und zugleich eine gemeinsame, professionelle Identität fördert. Dafür setzen wir auf fünf Kernwerte, die wir die „5 Ps“ nennen:
- Partner: Wie schaffen wir Mehrwert und stärken unsere Kundenbeziehungen?
- Purpose: Als Insourcing-Partner von Volkswagen leben wir extreme Verantwortungsübernahme.
- Product: Wir sind ein technologiegetriebenes Unternehmen und wollen immer an der Spitze der Innovation stehen.
- Passion: Unsere Mitarbeitenden brennen für Technologie – wir fördern Neugier und kontinuierliches Lernen.
- People: Letztlich dreht sich alles um die Menschen, und wir wollen Gewinnerteams aufbauen.
Diese Werte bilden das Fundament unserer „cool culture“ – geprägt von Neugier (curiosity), hohem Kundenfokus (obsession with customers), höchster Eigenverantwortung (extreme ownership) und technologischer Führungsstärke (leadership in technology).
t3n: Wir würden gerne etwas tiefer in die Vision für die neue Gruppe eintauchen, die mit Ihnen an der Spitze entsteht. Wie sieht die Mission und die strategische Ausrichtung genau aus?
S. Yadav: „Unsere Mission ist klar: Wir wollen der innovativste Anbieter von Produkten und Lösungen für den Volkswagen Konzern werden. Um das zu erreichen, haben wir fünf strategische Säulen definiert:
- IT-Exzellenz: Wir müssen an der Spitze technologischer Kompetenz stehen.
- Business Value: Jedes Projekt soll messbaren Mehrwert für unsere Geschäftspartner bieten.
- Optimale Ressourcennutzung: Wir setzen auf Deutschland (vor Ort), Portugal (nearshore) und Indien (offshore), um die Effizienz zu optimieren.
- Innovation und Produktentwicklung: Wir investieren in Forschung und Entwicklung und streben an, jährlich acht neue MVPs zu launchen.
- Talentförderung: Wir wollen nicht nur ein großartiger Arbeitgeber sein, sondern auch der beste Ort für berufliche Weiterentwicklung.“
t3n: Wie stellen Sie eine nahtlose Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Teams und Standorten sicher?
S. Yadav: „Wir haben bereits eine starke Kooperation zwischen Deutschland, Portugal und Indien etabliert und strukturieren unsere Arbeit gleichzeitig im Hinblick auf Effizienz. Eine zentrale Initiative ist unser „Center of Excellence“-Programm, in dem wir virtuelle Communities in speziellen Fachbereichen aufbauen. So bündeln wir beispielsweise Java-, SAP- oder Microsoft-Entwickler:innen aus allen drei Standorten in spezialisierten Wissenszentren. Aus diesen Communities heraus rekrutieren wir Top-Talente, die dann als „Army of Experts“ die Technologie-Roadmaps und Innovationen vorantreiben.
Unser Ziel ist, dass sich die Teams als Teil eines einheitlichen Tech-Ökosystems verstehen, statt als isolierte Einheiten. Das fördert den Wissensaustausch und stärkt unsere interne Expertise.“
t3n: Vielen Dank, dass Sie Ihre Erkenntnisse mit uns geteilt haben – das war ein sehr aufschlussreiches Gespräch!
S. Yadav: Vielen Dank! Ich schätze die Gelegenheit, unsere Reise mit euch zu teilen.


